Technik, Witzelfitz
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Die Digitalisierung kommt und wir haben ein Problem.

Digitalisierung

Stell dir vor, du lebst in einer Welt in der du gerne arbeiten würdest, aber keinen Job mehr findest, weil Roboter diesen machen. Deine Freunde kannst du nicht mehr besuchen, weil sie sich hinter hohen Mauern sich verschanzt haben und du keinen Eintrittsstatus erhältst. Sie hatten das Glück und haben einen Job, den es noch gibt. In der Nacht musst du in deiner kleinen Wohnung leben, ohne Licht und mit dem Minimum an Essen. Das Militär patrouilliert und nimmt dich fest, wenn du dich an den falschen Orten aufhältst. Das System funktioniert, aber du bist kein Teil mehr davon. Es gibt keine staatlichen Förderungen, um Menschen wie dich wieder in die Gemeinschaft einzubinden. In dieser Verzweiflung bilden sich Widerstandsbewegungen, welche aber zum Scheitern verurteilt sind, weil der Staat mehr Mittel besitzt und besser organisiert ist. Aus der Ferne wird der Widerstand gebrochen und dezimiert. Du mitten drin. Wie konnte es so weit kommen? Ich führe dich nun systematisch durch meine Überlegungen wie eine solche Zukunft entstehen könnte und wie wir jetzt etwas dagegen unternehmen können.

Digitalisierung. Das Schlagwort der letzten Jahre

Foto: Rishabh Varshney

Digitalisierung ist nichts Neues. Doch was sich dahinter verbirgt, darüber ist man sich uneinig. Wenn ich zehn Experten zu diesem Thema interviewen würde, ich bekäme zehn verschiedene Definitionen. Diese würden sich in bestimmten Punkten decken, aber hauptsächlich widersprechen. Dies ist der aktuelle Knackpunkt der rasanten digitalen Entwicklung. Für manche Menschen bedeutet Digitalisierung, dass man Briefe nicht mehr per Post sondern per Internet versendet. Andere sehen die Zukunft so, dass Roboter sämtliche Arbeiten der Menschen verrichten werden und die künstliche Intelligenz so weit fortschreitet, dass es die Menschen nicht mehr braucht. Meistens liegt die Wahrheit zwischen solchen Extremen. Nehmen wir an, dass Roboter und künstliche Intelligenz im Jahre 2045 zum Alltag gehören, aber Menschen die Kontrolle besitzen. Wie würde die Welt dann aussehen? Welche Probleme werden bis zum Jahr 2045 entstehen und uns fordern oder sogar überfordern?

Digitalisierung hat Potential

Die Digitalisierung hat Potential. Das Potential kann positiv oder negativ für die Gesellschaft sein. Auch hier herrscht Uneinigkeit. Es werden Systeme entstehen, welche Planungen übernehmen. Es entstehen im Moment Konzepte, die viele Menschen überflüssig machen. Schichtpläne können automatisch erstellt werden, Verwaltung von Human Resources kann  durch künstliche Intelligenz unterstützt werden und auch Fertigungsprozesse können durch Roboter unterstützt oder sogar übernommen werden. Man braucht weniger Menschen, die Routinearbeit verrichten und mehr in der prüfenden Funktion tätig sein werden. Wer entscheidet nun, welche Menschen diese Kontrollfunktion übernehmen werden und welche Menschen wegrationalisiert werden?

Digitalisierung vernichtet

Das zerstörerische Potential der Digitalisierung ist real. Die Digitalisierung rollt an, wird immer mächtiger und wird grosse Krater hinterlassen. Diese Krater sind Jobs, persönliche Schicksale und weitreichende Probleme, die jeden von uns treffen können. Menschen, die hauptberuflich Informationen aufbereiten und zur Verfügung stellen, werden überflüssig. Algorithmen und künstliche Intelligenz verwalten Informationen schneller, genauer und in grösserer Menge. Schlicht gesagt: Effizienter. Menschen die Tätigkeiten ausüben, welche durch Roboter ersetzt werden können, werden irgendwann ersetzt. Dieses Problem wird wahrscheinlich nicht in fünf oder zehn Jahren hier sein, aber es wird kommen. Wir können es nicht mehr aufhalten. Es kann gesagt werden, dass Maschinen und Algorithmen effizienter sind als Menschen, dadurch für die Wirtschaft lukrativer.

Jetzt zum Problem mit der Digitalisierung

Das Zusammenspiel von bestehenden Systemen und der Digitalisierung ergibt eine schier unendliche Anzahl von möglichen Problemfeldern. Ich beleuchte ein paar dieser Felder und lade dich dazu ein, auch selbst solche Gedankenspiele zu machen.

Unser System baut darauf auf, dass Menschen arbeiten

Menschen, die in einem Staat leben, haben die Aufgabe zu arbeiten. Die Arbeit spühlt Geld in die Kasse und das Geld fliesst zurück in Unternehmen, welche Löhne zahlen. Wir sind also davon abhängig, dass so viele Menschen wie möglich arbeiten, dass das Geld fliesst und das sensible Finanz-Ökosystem nicht zusammenbricht. (Das ist eine vereinfachte Darstellung, aber ich denke die meisten wissen wie das mit dem Geld funktioniert 😉 ). Was passiert aber, wenn Menschen nicht mehr fürs Arbeiten genutzt werden können? Wenn diese Menschen schlicht überflüssig werden? Dann entstehen die Probleme. Auch mit Umschulungen und Weiterbildungen können nicht alle Menschen eingesetzt werden. Es wird immer Hürden geben, wieso ein Mensch nicht geeignet ist, für zukünftige Jobbilder. Sei es fehlendes technisches Verständnis, Unwillen die neuen Technologien zu nutzen oder keine finanziellen Mittel, um überhaupt so eine Schulung/Weiterbildung zu besuchen.

Unser System ist überfordert, wenn wir immer älter werden

Das führt uns schnell zum nächsten Punkt auf der Liste. Der demographische Wandel ist kein Geheimnis mehr. Wir werden immer älter. In „hochentwickelten“ Ländern gibt es immer weniger Nachwuchs. Dadurch entsteht eine Alterspyramide die auf dem Kopf steht. Im aktuellen System ist die untere Hälfte der Pyramide dazu da, die obere Hälfte zu stützen. Das wird aber immer schwerer, wenn die Arbeit ausgeht. Im Umkehrschluss müssen Menschen länger arbeiten, sind aber nicht zwingend dazu imstande. Die nächste Problem Quelle ist damit unser Alter. Wenn immer weniger Geld fliesst und immer mehr ältere Menschen vorhanden sind, steht das Finanzsystem vor einem Kollaps. Die Digitalisierung giesst noch weiter Benzin in diese lodernde Feuer. Mehr Informationen über die Entwicklung in der Schweiz findet man beim Bundesamt für Statistik: Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz.

Unser System ist schwerfällig

Ich behaupte und hoffe, dass wir genügend Leute in den entscheidenden Positionen haben, welche solche Probleme erkennen. Doch das Erkennen ist ein erster Schritt, der noch überhaupt nichts bringt. Wir müssen das Ruder rumreissen. Wir müssen das Schiff auf Kurs bringen, damit eine Zukunft entstehen kann, in der alle Menschen noch ein lebenswertes Leben besitzen können. Doch unser Dampfer ist zu langsam, viel zu langsam. Die Digitalisierung ist schneller, als die letzten grossen innovativen Sprünge. Das Telefon setzte sich erst über mehrere Jahre hinweg wirklich durch und löste irgendwann das Telegraphen Geschäft ab. Das Mobiltelefon war schon ein weniger schneller. Das Smartphone ist nach 10 Jahren überhaupt nicht mehr wegzudenken. Bestimmte Apps und Bewegungen können sich heute in wenigen Monaten durchsetzen. Unser System kann darauf nicht reagieren. Wir sind internationalen Unternehmen ausgeliefert. Das kann zu echten Problemen werden, wenn die Bevölkerung entscheidet, dass es so nicht weiter gehen kann. Dann steht plötzlich Staat gegen Bevölkerung und eine gemeinsame Zukunft wird sehr schwer zu gestalten. Ein Beispiel dafür ist der Streit in Italien Taxifahrer vs. Uber.

Genug der Schwarzmalerei

Genug von Konflikten und Problemen. Welche Möglichkeiten haben wir diesen zu begegnen? Wie kann man der Digitalisierung begegnen? Dafür habe ich eine Best-Case Szenario geschrieben, welches ein 2045 zeigt, welches durch die Digitalisierung bereichert wurde und nicht zerstört. Die Grundvoraussetzung dieses Szenarios ist, dass die Menschen bereit sind gemeinsam eine Zukunft zu gestalten. Offen und mutig sind, neue Systeme zu testen und weiterzuentwickeln. Dann kann eine solche Welt entstehen.

Best-Case-Seznario

Der Staat erkennt die Problematik frühzeitig. Mithilfe von Kollaboration zwischen Schulen, Ämtern, Bevölkerung und Unternehmen werden mögliche Lösungsmöglichkeiten entwickelt, wie der Digitalisierung begegnet werden kann. Eine Task-Force wird ins Leben gerufen, welche auf Veränderungen von Messwerten achtet. Wenn diese sich auffällig verhalten, wird dies sofort untersucht und Massnahmen getroffen. Der Staat erkennt, dass dieses Problem nur gesamtheitlich gelöst werden kann. Die Menschen werden mehr in die staatliche Prozesse mit eingebunden. Steuern werden so angepasst, dass diese automatisch eingezogen werden. Einfach ausgedrückt: Es ist ein vollständiges Miteinander. Damit das auch finanziell für alle Menschen aufgeht, wird ein neues System für Steuern und Löhne entwickelt. Ein Zusammenleben wird finanziell gesichert, wenn man daran teilhaben möchte und sich in die Gesellschaft integriert. Menschen setzen ihre Fähigkeiten dort ein, wo das grösste Potential vorhanden ist. Menschen die Vereine betreiben, die der Gesellschaft dienen, werden finanziert. Menschen, die die Kindererziehung übernehmen haben ein gesichertes Einkommen. Jeder hat die Chance sich selber in der Welt zu finden und zu arbeiten. Die vernetzte neue Welt wird durch künstliche Intelligenz unterstützt, welche solche Systeme betreut und automatisch das Geld fliessen lässt. Menschen können innovative Lösungen für andere Probleme finden. Es können neue Produkte entwickelt werden die nachhaltig sind und die Umwelt nicht weiter verbrauchen. Der krankhafte Wachstum von Unternehmen ist gestoppt, weil das Geld besser verteilt wird und Unternehmen auch gesicherte Einkommen haben. Die neuen Werte werden gelebt und ein Zusammenleben ist auch in Zukunft möglich.

tl:dr

Die Digitalisierung kommt. Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden, um die Probleme der Zukunft schon jetzt zu erkennen.

Und was ist jetzt realistisch?

Es ist schwer zu sagen, wie die Zukunft kommen wird.  Wir müssen uns bewusst sein, dass wir vor Herausforderungen stehen, welche die Menschheit bis jetzt noch nicht kennt. Wir müssen kreativ und mutig sein, um ein friedliches Leben zu sichern.

Ich hoffe ich konnte dir einen Denkanstoss geben, was die Digitalisierung bedeuten kann. Wenn du auch solche Ideen hast, oder anderer Meinung bist, teile mir das doch bitte mit. Ich bin gespannt auf eine Diskussion mit dir.

Titelbild: https://unsplash.com/@ramblere

2 Comments

  1. Thia says

    Beni, ja wir haben definitiv ein Problem und ich teile deine Meinung.

    Ja, die digitale Transformation ist in aller Munde. Dank der immer grösseren Verbreitung von mobilen Geräten und der voranschreitenden Digitalisierung verspüren immer mehr Unternehmen die Notwendigkeit, sich diesen neuen Gegebenheiten anpassen zu müssen. Auch bei uns im Unternehmen gibt es bereits Workshops wie man mit dieser Problematik umgehen kann. Jedoch frage ich mich selbst, ist das wirklich die finalisierte Lösung?!

    Ich denke, es liegt ein wenig von der heutigen Gesellschaft. Eine Studie zeigt, dass Firmen sich in druck fühlen, sich digital verändern zu müssen von den Kunden und der Konkurrenz. Auch Best of Swiss Web hat gerade erst den „Swiss Digital Transformation Award“ kreiert, um alljährlich die Unternehmung mit den grössten Transformationsbemühungen zu küren. Diese Anpassung an die digitale Umwelt betrifft die Unternehmungen in all ihren Bereichen (HR, Marketing, Finanzen etc.). Speziell die veränderten Kundenerwartungen und die damit einhergehende Veränderung des Kaufprozesses haben die Unternehmungen gezwungen, sich anzupassen. Viele Kunden verlange, online die Verfügbarkeit von Produkten zu sehen und einige möchten online die Ware bestellen und im Shop abholen. Aber lediglich 40% der Unternehmen bieten solchen Service an.

    Ich bin wirklich gespannt, wie diese Thematik weiter geht.

    • Witzelfitz says

      Hallo Thia 😉

      Danke für dein Feedback. Ich sehe auch, dass verschiedene Branchen auch verschieden stark betroffen sein werden. Wo hohe Kundenerwartungen auf die Unternehmen trifft, ist der Druck bestimmt am höchsten.

      Leider sehe ich auch dort, dass keine gesamtheitlichen Lösungen konzipiert und umgesetzt werden. Es wird schnell ein Produkt/Prozess entwickelt, welcher das Bedürfnis genau so fest stillt, damit es zu keinem Problem wird.

      Ich hoffe es gibt in Zukunft mehr Menschen die den Mut haben auch finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um bessere Lösungen realisieren zu können.

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